Förderverein bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. Arbeitskreise Dortmund, Hattingen und Sprockhövel

Von Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. 2.0 Arbeitskreis Bergbauaktiv wurde und wird der Erbstollen in Zusammenarbeit mit der Stadt Sprockhövel und Ihrer unteren Denkmalbehörde saniert um unserer und folgenden Generationen die Anfänge des Ruhrkohlenbergbau wieder sichtbar und "greifbar" zu machen.
Aufbrechen oder Beschädigen ist überflüssig und würde wieder zur Zubetonierung führen! Mach doch einfach bei uns mit bzw Führungen gerne nach Absprache! -> Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Es gab zwei Stock und Scherenberger Erbstollen welche jeweils weiteren tieferen Abbau in den Kohlenflözen im Schevener Holz der dort anstehenden Wittener Schichten durch die Zeche Stock und Scherenberg ermöglichen sollten. Im weiteren Verlauf entwässerten der tiefe Stock und Scherenberger Erbstollen aber auch die weiter südlich gelegenen Flöze der Sprockhöveler Schichten und somit die gesamte Herzkämper Mulde im Haßlinghauser Bereich.

Beide mündeten in den Pleßbach welcher aus dem Zusammenfluss des Brunsberger Baches, des Kortenbaches, der Kreftingsbecke und des Gethebachs entsteht.

Vom alten Erbstollen ist im Gelände leider nichts mehr zu sehen. Das Mundloch wurde durch den Autobahnbau überformt.

Der tiefere Stock und Scherenberger Erbstollen wurde ab 1746 aufgefahren, um die Zeche Stock & Scherenberg noch tiefer zu entwässern. Es wurden dazu extra Bergleute aus Kursachsen angeheuert, da die Auffahrung eines Stollens zu dieser Zeit querschlägig im festen Nebengestein eine sehr hohe und langwiedrige Herausforderung war.

Er mündet bei Ibachs Mühle in den Plessbach

Das Mundloch am Pleßbach

Das verbrochene Mundloch mit Resten der Stollenausmauerung nach über 250 Jahren


Die verschüttete und nur noch rudimentär vorhandene Rösche

 

Und nach der Restaurierung im Jahr 2013:

Aus dem Inneren (nur noch 82m von 2km sind befahrbar):

Die Mauerung auf den ersten Metern ist auch heute nach 250 Jahren noch in tadellosem Zustand

Nach 20 Metern steht der Stollen im festen Gebirge

Benannt sind beide Erbstollen nach den Gewerken Stock und Scherenberg und Ihrer gleichnamigen Zeche. Der Stollen hatte den Zweck die Kohlenbänke der Gewerkschaft zu lösen. Bei seinem Vortrieb durchschnitt er jedoch auch andere Kohlenbänke. Durch einen Querschlag wurde auch die Zeche Ver. Concordia entwässert. 

Die Schächte des Erbstollens wurden möglichst nah am Talgrund des Pleßbach angelegt. Der Stollen erreichte eine Gesamtlänge von etwa drei Kilometer.

Obwohl die angeschlossenen Gruben teilweise auch durch den Dreckbänker Erbstollen gelöst wurden und bis heute entwässert werden, fließt auch noch jetzt Wasser aus der Rösche des Erbstollens. Beim Bau der Autobahn A43 wurde der genannte Querschlag des Stollens angeschnitten.


Das Stollenmundloch war nach 3 Metern massiv zubetoniert und verschlossen und mit einer Fledermausöffnung versehen. Die folgenden ehemaligen Lichtlöcher des ehemaligen Stollenverlaufs im Bereich der Autobahnauffahrt Sprockhövel wurden beim Autobahnbau (ca. 300 m) bis auf die Stollensohle mit Bruchsteinen verschüttet und verfüllt. Der Stollen ist 82 m befahrbar und dann verbrochen.
Nach 54m ist rechts ein versetzter Abzweig zu einem Lichtloch.

 

Im Verlauf des Stollens zeugen Pingen (Abraumhalden um den ehemaligen Schacht) der ehemaligen Lichtlöcher (Schächte) von seiner Existenz, das sind Schächte zur Luftversorgung und Hebung des Abraumes beim Bau,.

Der Abstand der Lichtlöcher war 100-150 m

Timeline:

Stock & Scherenberger Erbstollen (Sprockhövel-Hiddinghausen)

(Stock & Scherenberger Stolln, Stock & Scherenberger Tiefer Stollen)

1645 16.10. Verleihung Erbstollengerechtigkeit

1744 erneute Verleihung des Erbstollenrechtes

1747 Anlegung des Erbstollens, Mundloch (+146 m NN) ca. 200 m südlich der Brücke Hidding­hauser Straße über die Autobahn östlich vom Pleßbach (früher Kreftinger Bach) am Wald­rand, Auffahrung nach Süden zur Lösung der Haßlinghauser Mulde, Endlänge: rd. 2500 m, gelöste Bauhöhe: bis max. 100 m, mehrere Lichtlöcher

1754 noch keine Lösung der Berechtsamen wie Nachtigall (= Nachtigall im Braunsberge), obwohl „... bereits 8 Jahre gearbeitet“

1756/57 Vortrieb

1784 Lichtloch 18 genannt

1796 immer noch Vortrieb nach Süden

1797 Vortrieb am Lichtloch 19

1800 Vortrieb

1801 Teufen Lichtloch 20

1805 Vortrieb

1807 Teufen Lichtloch 21 (122 Fuß Teufe)

1810 Vortrieb

1818 Lösung der Berechtsamen Leveringsbank und Oberleveringsbank sowie nachfolgend Canin­chen, Nachtigall (1822), Gabe Gottes (1823), Dreckbank (1824) und Neuglück (1826)

1831 Vortrieb

1850 gute Ausbeute

1852 zu Stock & Scherenberger Hauptgrube gehörend

Quellen:
Erforschung durch und archivierte Unterlagen des Fördervereins bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.
Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Deutsches Bergbau-Museum, Bochum 1998, ISBN 3-921533-62-7, (Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum 74), (3. überarbeitete und erweiterte Auflage: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 2005. ebenda 2006, ISBN 3-937203-24-9, (Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum 144).

Fotos: AK Sprockhövel

 

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